Mundart St. Leon-Rot

Die Mundartabende in St. Leon-Rot in der Regie von Ruth Laier und Emil Klevenz haben die Wortsammlung von Hermann Tropf bereichert

Gesammelte Presseberichte von Kuno Schnader

Mit Themenabenden in Form von zwanglosen Erzählrunden mit älteren Mitbürgern unter der Thematik „Waascht noch?“, in St. Leon von Willi Steger und in Rot von Ruth Laier (†) initiiert, begann der Arbeitskreis Heimatgeschichte St. Leon-Rot mit der Pflege der Mundart in der Absicht, ein vom Aussterben bedrohtes Kulturgut zu fördern. Die Mundartabende mit Emil Klevenz sind heute längst fester Bestandteil des heimatgeschichtlichen Angebots des Arbeitskreises und finden regelmäßig statt.

 

Übersicht:

Den Klängen des Ambosses nachgespürt

Mundartabend zum Thema „Das Schmiedehandwerk“ im urigen Ambiente der „Alten Schmiede“ in der Leostraße, St. Leon. Mit Altmeister Karl Fuchs, der 30 Lehrlinge ausbildete und Manfred Heger, einem seiner Lehrlinge, der den Amboss mit Hammerschlägen im Takt zum Klingen brachte. Hier weiter.

Leben, wohnen und arbeiten in der armen Zeit

Als Schmalhans Küchenmeister und das Schlafen auf dem Strohsack das Normale war, standen „Klumpe“ (Holzschuhe) in der Schule aneinandergereiht vor dem Klassenzimmer und dienten in der Pause als Wurfgeschosse. Hier weiter.

"Das Fass ist voll": Mundartabend über den Küfer

In der ehemaligen Kelterei Wagner in der Keltergasse in Rot informierten die gelernten Küfer Walter Wagner und Alexander Thome über die Herstellung eines Holzfasses und die wirtschaftliche Bedeutung des Weinanbaus für St. Leon-Rot. Holzfässer, in den Winzergenossenschaften durch Stahltanks und Kunststofffässer abgelöst, gewinnen für die hochwertigen Barrique-Weine wieder an Bedeutung. Hier weiter.     

Liturgie, Brauchtum zur Fasten- und Osterzeit, früher und heute

Über die Karfreitagsliturgie und Finstermetten in spärlich erleuchteter Kirche und über strenge Sitten in der Fastenzeit, aber auch über lustige Osterbräuche mit Ostereiern, die "geschurgelt" werden und dann die Böschung hinunter "kurgle". Hier weiter.

Die Mundartabende mit Emil Klevenz

Die Mundartabende von Emil Klevenz erfreuen sich heute eines regen Zuspruchs und gewannen an Lebendigkeit, als man aus der umfangreichen Wortsammlung von Hermann Tropf Mundartwörter und Redewendungen vorgab, die immer einen Redeschwall auslösten und dazu führen, noch nicht erfasste Wörter in das Kompendium aufzunehmen. Hier weiter.

 

Den Klängen des Ambosses nachgespürt

(Organisation Willi Steger)

Das urige Ambiente der „Alten Schmiede“ von Karl Fuchs in der Leostraße mit Original- Amboss und Esse, der servierte Wein und der von der Familie Fuchs gestiftete Flammkuchen schufen die geeignete Atmosphäre für den Mundartabend zur Thematik „Das Schmiedehandwerk“.

Die kurzweilige, gelungene Veranstaltung, gewürzt mit gezielten Informationen und Anekdoten über einen der ältesten Handwerksberufe, motivierte sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken.

Besondere Note

Eine besondere Note erhielt der Abend durch die Anwesenheit des Altmeisters Karl Fuchs und dessen ehemaligem Lehrling Manfred Heger. Heinz Vetter, ebenfalls einer der 30 Lehrlinge, die Karl Fuchs ausbildete und 45 Jahre in der Schmiedewerkstätte Fuchs tätig, war leider an der Teilnahme verhindert.

Der kurze Streifzug durch die Geschichte des Schmiedehandwerks, vom Moderator des Abends Willi Steger präsentiert, die Fragerunde mit Manfred Heger, die Hinweise des profunden Kenners Emil Klevenz über die Verschiedenartigkeit der Hufeisen und die Anekdoten aus der Jugendzeit von Wilhelm Mertel – in Mundart gesprochen- ergänzten sich zu einem plastischen Bild über den Beruf des Schmieds.

Schon die Kelten beherrschten die Bearbeitung des Eisens wie auch Funde von Eisenobjekten in den Gewannen Rößelsberg und Hühnerwegl beweisen.

„Hufschuhe“ sind auch aus der Römerzeit bekannt und besonders im Mittelalter stand das Schmiedehandwerk schon auf hoher Stufe. Von Götz von Berlichingen, dem Anführer der Bauern im Bauernkrieg, ist bekannt, dass ihm ein Waffenschmied aus Berlichingen an der Jagst eine eiserne Hand anfertigte, nachdem er bei einer Fehde seine rechte Hand verloren hatte. Die „Eiserne Hand“ ist auf der Burg zu Jagsthausen ausgestellt.

Familiärer Betrieb

Der Dorfschmied als Huf- und Wagenschmied und der Wagner waren gefragte Handwerker im Bereich der Landwirtschaft. Eindruckvoll auch die Schilderungen von Manfred Heger über den Neun-Stunden-Tag und über das gute Verhältnis des Meisters zu seinen Lehrlingen, der nach getaner Arbeit oft seine Mitarbeiter zum Vesper in die Wirtschaft einlud. Schon mit 13 Jahren bediente Manfred Heger die „Schleifhex“ und verdiente als Lehrling samstags zusätzlich 5.-- DM pro Hufbeschlag, bei der Herstellung von Geländern waren es sogar 30.--DM. Ein Hufbeschlag kostete 1964 20.- - 25.- DM, heute belaufen sich die Kosten für vier neue Eisen auf 80.--€. Ein Pferd muss alle sechs Wochen beschlagen werden.

Der Amboss, vielseitiges Gerät

Nostalgische Erinnerungen wurden lebendig, als Manfred Heger und Hans Heger den Amboss mit Hammerschlägen im Takt zum Klingen brachten und manche erinnerten sich noch, als es beim Beschlagen des Pferdes zischte und qualmte und nach verbranntem Horn roch. Trotz Einfachheit und seines massiven Zuschnitts ist der Amboss ein vielseitiges Gerät, wie Manfred Heger demonstrierte. Das Rundhorn am Ambossende dient zum Biegen, das Kanthorn am anderen Ende zum Abkanten, die Platte auf dem Ambosssockel zum Stauchen langer Werkstücke, die Löcher zum Einstecken von Stahlformen für die Formgebung von Rohteilen. „Erst eine jahrelange Erfahrung befähigt den Schmied, den Hammer so sicher zu führen, wie der Geiger seinen Bogen“, stellte Willi Steger bei der Wertung der Schmiedearbeit fest, die in der Werkstatt Fuchs als Kunstschmiedehandwerk weitergeführt wurde.

„Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“

Gemäß dem Sprichwort: „Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist“, was soviel bedeutet wie schnelles, sicheres Zugreifen und zügiges Arbeiten, würdigte Kuno Schnader die Lebensleistung von Karl Fuchs und meinte:“ Wichtige und notwendige Arbeiten dulden keinen Aufschub, so war es in der Werkstatt von Karl Fuchs, so war es in seinem Leben.“ Er dankte im Namen des Arbeitskreises der Familie Fuchs für die Gastfreundschaft und Manfred Heger für dessen Bereitschaft, sich dem Dialog zu stellen.

 

Leben, wohnen und arbeiten in der armen Zeit

(Organisation Ruth Laier)

Ca. 100 Personen, darunter viele junge Leute, waren ins Pfarrheim St. Mauritius gekommen, um einen Hauch von Nostalgie zu erleben, den der Mundartabend: „Leben, wohnen und arbeiten in der armen Zeit vor, während und nach dem Welt-krieg“ vermittelte. Der Arbeitskreis Heimatgeschichte schloss mit der Veranstaltung seine Informationsreihe „725 Jahre“ Rot ab: „Die frühe Siedlungsgeschichte“, „die Roter Urkunden, „die fünf Roter Geldfunde, „das Roter Schatzungsbuch“ und der „erste Gundriss von Rot“ waren die Themen. Darüber hinaus liegen seit diesem Jahr Aufzeichnungen über die Erläuterung sämtlicher Flurnamen der Gesamtgemarkung, die Transkription der 1936 von Hauptlehrer Reidel verfassten Roter Ortschronik, die Geschichte der St. Anna -Kapelle und der Werdegang der Roter Allmend vor. Eine Familienchronik wird von Roswitha Thome und Frau Keilbach bearbeitet.

Es bewahrheitete sich wieder einmal mehr, wie Kuno Schnader bei seiner Anmoderation des Abends feststellte, dass die Mundart nicht nur kreative und präzise Wortschöpfungen hervorbringe, sondern auch als Zungenlöser eine vertrauliche Gesprächsatmosphäre schaffe.

Die „Brockelbohnen-Episode“, aus dem St. Leon-Roter Heimatbuch von Arbeitskreis-Mitglied Ruth Laier vorgetragen, die sich mit Kuno Schnader die Gesprächsleitung teilte, öffnete sofort die „Gesprächsschleusen“. Die Begebenheit ereignete sich, als Schmalhans Küchenmeister war und gekochte, mit Essig, Öl und Zwiebeln zerdrückte Kernbohnen den unbeliebten Brotaufstrich für die ganze Woche lieferten. Eine Familie wird bei der Feldarbeit von einem heftigen Gewitter überrascht. Die Mutter bittet und betet: „Herr, verschone die Feldfrüchte!“. Der Sohn ergänzt die Fürbitte forsch: „Awwer d´Brockelbaune haagscht nunner!“

Die Initialzündung war gegeben. Es folgten Beschreibungen der Essgewohnheiten. Man sprach über „Geplogte und Rumgjagde“, gemeint waren Bratkartoffeln, die in der

Pfanne mit wenig Fett „brozelten“, die Rede war von selbst gemachten Nudeln mit Soße, die wie der Gottesdienstbesuch zu jedem Sonntag gehörten, über das Bad im Holzzuber oder über die Körperwäsche im Kuhstall, weil man nackt nicht gesehen werden wollte. Auch Baden im Kraichbach war im Sommer angesagt, aber in gesitteter Kleidung und streng nach Buben und Mädchen getrennt! Eine Besonderheit war das Schlafen auf dem Strohsack und das Tragen der „Klumpen“, der Holzschuhe, die in der Schule aneinandergereiht vor dem Klassenzimmer standen und in der Pause als Wurfgeschosse dienten. Es war eine lebhafte Diskussion der Roter Urgesteine am Tisch an der Stirnseite des Saales, in die auch die Zuhörer beherzt eingriffen.

Dass die Umstrukturierung der Gesellschaft, die Hinzuzüge in den Dörfern, die Mobilität und Globalisierung die Mundart verdrängen, kam in der Einleitung des Abend ebenfalls zur Sprache. Die Veranstaltung hatte deshalb auch zum Ziel, den reichen Wortschatz der St. Leon-Roter „Muddersproch“ zu konservieren und weitere Begriffe in die schon über 1300 Wörter und über 50 Redewendungen umfassende Wörtersammlung: „Wie d´ St. Leener unn d´ Roter schwetze unn g´schwetzt hewwe“ von Hermann Tropf aufzunehmen. Eine Überprüfung, welche Wörter in beiden Ortsteilen gleichermaßen Verwendung finden und welche verschieden sind, ist bereits durch fünf Roter Urgesteine erfolgt.

Mitglieder des Arbeitskreises servierten Most, Schmalzbrote und Kathreinerkaffee und verstärkten somit die nostalgische Atmosphäre auch lukullisch.

 

"Das Fass ist voll": Mundartabend über den Küfer

(Organisation Kuno Schnader)

Im urigen Ambiente der ehemaligen Kelterei von Walter Wagner in der Keltergasse in Rot traf man sich, um sich über den Beruf des Küfers zu informieren und stellte dabei zu Beginn fest, dass die sprichwörtlichen Redenarten aus diesem Berufszweig wie z.B.

„Das schlägt dem Fass den Boden aus.“(Das ist zuviel.)
„Das Fass ist voll.“ (Jetzt ist es genug.)
„Ein Fass ohne Boden.“ (Vergebliches Tun.)
„Nach dem Fass schmecken´.“ (Die Herkunft verraten.)

ein gerüttelt Maß an Lebensweisheit und Lebenserfahrung bergen.

Auch viele Familiennamen, lassen sich vom Beruf des Küfers herleiten, ein Beweis dafür, dass dieser Berufszweig in Deutschland sehr verankert und verbreitet war:In der Bundesrepublik gab es 1952  6665 Küfer mit 13 315 Beschäftigten, heute gibt es laut Verband des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks in Deutschland 100 Böttcherbetriebe.

Die Namen Küfer, Kiefer, Kübler (v. Kübel) Böttcher (v. Bottich), Fassbinder, Fassbender, Fasser, Fassler, Reifschneider, Brettschneider, Daub, Büttner (v. Bütte), Schäffler, Zuber und Geltner (v. Gelte) haben ihren Ursprung in diesem Beruf, dessen Existenz bis 2000 v. Chr. zurückreicht.

Kuno Schnader, Moderator des Abends, ging kurz auf die Geschichte des Fassbaus ein und erwähnte, dass schon der römische Schriftsteller Plinius 100 v. Christus von der Verwendung von Fässern nördlich der Alpen berichtete. Im Mittelmeerraum fand man aus dieser Epoche Tongefäße und Amphoren für das Aufbewahren von Öl, Wasser und Wein. Daneben gab es auch Schläuche aus Tierbälgen.

Plinius verwendete in seinen Schriften den Berufsbegriff Cuparius. Davon sind das Wort Kufe (gemeint ist die Fassdaube) und der Berufsbegriff Küfer abgeleitet..

Mittelalterliche Erwähnungen über den Beruf kennt man von Karl dem Großen (800 n. Chr.), der verfügt hat, in seinen Pfalzen nicht mehr Bütten aus Leder, sondern in Eisen gebundene Fässer zur Aufbewahrung und zum Transport von Flüssigkeiten zu verwenden.

Erste sichere Erwähnungen über den Büttner liefert der Bischof von Freising in einem Schreiben aus dem Jahre 1146, in dem er einen Handwerker im Kloster Weihenstephan benennt. Aus dem Jahre 1250 gibt es eine Urkunde des Bischofs von Basel, in der neben Handwerkernamen wie Zimmerleute, Wagner, Gipser auch der „Kübler“ genannt wird. Hierbei ist zu erwähnen, dass das Weinfass nicht das einzige Produkt des Küblers oder Büttners war. Die Fässer und Tonnen wurden auch als Behältnisse für flüssige und feste Waren eingesetzt: Butter, Salz, Fleisch, Fisch, Sauerkraut, Gurken, Getreide, ja sogar Bücher sind in ihnen verschickt worden.

Für kurze Transporte wurden Kiepen, (auf dem Rücken getragener hoher Tragekorb) Kübel oder Eimer eingesetzt.

Im Bottich wurde auch in St. Leon-Rot gewaschen, im Zuber gebadet, aus der Kanne wurde eingeschenkt, aus dem Becher getrunken, mit dem Schaff geschöpft und dem Scheffel gemessen.

Ein  Gedicht von Hans Sachs, dem Dichter und Meistersinger des 16. Jahrhunderts, informierte über die Arbeit eines Fassmachers:

Ich bin ein Büttner und mach stolz
aus Föhren, Tannen ,Eichenholz
Badwann, Schmalzkübel, Scheffel und Gelten,
die Bütten und Weinfässerwelten.
Bierfässer machen, biegen und binden,
Waschzuber tut man bei mir finden.
Auch mach ich Lägel, Fässer und Stübch`,
gen Frankfurt, Leipzig und Lübig.

Lägel: Fässchen für Fische, Traggefäß; altes Gewichtsmaß
Stübchen: altes Flüssigkeitsmaß

Im Gespräch wurde deutlich, dass der Fassküfer früher in den Dörfern wie der Wagner und der Schmied wichtiger Ansprechpartner vor allem der Landwirte war. Neben Fässern stellte er auch Pfuhlfässer, Bottiche, Kübel, Waschzuber, Bütten, Tränkkübel und Butterfässer her.

Fassküfer in St. Leon-Rot und Weinfässer in St. Leoner und Roter Kellern? Obwohl keine Winzergemeinde, reifte der Wein in den Kellern der St. Leoner und Roter Bürger in Hunderten von Fässern und das kam so:

Die Zigarrenindustrie florierte. Man kam zu Geld und war in der Lage, in Malschenberg, Rauenberg und Malsch Rebflächen aufzukaufen. Man zählte in St. Leon–Rot über 220 stolze Wengertbesitzer, die ihre Ernte in Zubern mit dem Kuhfuhrwerk oder dem Traktor zur heimischen Kelter in die Neugasse (heute Keltergasse) fuhren und dann ihren „Eigenbau“ im Fässl hatten.

1982 waren auf Rauenberger Gemarkung 185 Bürger aus St. Leon–Rot mit 925 Ar und auf Malscher Gemarkung 43 mit 215 Ar als „Ausmärker“ im Grundbuch eingetragen. Heute bewirtschaften nur noch wenige ihre Rebflächen selbst und haben sie verpachtet.

Für Walter Wagner und Alexander Thome bot es sich deshalb an, den Beruf der Küfers zu erlernen. Sie schilderten die Arbeitsgänge bei der Herstellung eines Fasses:

- Mit Keil und Holzschlägel wird das Stabholz  gespalten und mit dem Spaltbeil zu
  Daubenbrettern geschnitten.
- Nach Ausschneiden der Fugenrichtung mit dem Lenkbeil oder dem Hobel werden die
  Daubenbretter auf der Schnitz- oder Schneidbank bearbeitet und erhalten mit dem
  Krummeisen die konkave innere und mit dem Gradeisen die konvexe äußere
  Wölbung. Der schräge Schnitt entlang der Fugenseiten bestimmt die Form des
  künftigen Fasses.
- Die Dauben werden nebeneinander senkrecht stehend mit dem Setzhammer in einen
  Setzreifen getrieben. „Das Fass ist gesetzt“.
- Das künftige Fass wird mit Kopf- Hals –und  Bauchreif umspannt. Ein Spannreif im
  Innern hält dagegen.
- Das halbfertige Fass wird bei ständiger Befeuchtung über eine Feuerung gestülpt
  und erwärmt. Die Wölbung wird geformt.
- Die Reifen werden aufgezogen und das Innere mit dem Rundhobel ausgegerbt.
- Mit der Kimme und dem „Gargelhobel“ werden die Nuten ausgehoben.
- Es erfolgt die „Ausbodung“, das Einfügen der Fassböden.
- Das Spundloch wird gebohrt.

Fassfabriken haben heutzutage, wie die beiden ehemaligen Küfer berichteten, die Arbeit der Küfer übernommen. In den Winzergenossenschaften haben Stahltanks und Kunststofffässer die Holzfässer abgelöst. Der Winzerkeller Wiesloch ist deshalb in der Lage, 17 Millionen Liter Wein zu lagern.

Heute gewinnt das Holzfass jedoch auch in den Genossenschaften für die so genannten Barrique-Weine wieder an Bedeutung. Die deutschen Hersteller der Barriquefässer beziehen ihr Eichenholz aus dem Steigerwald, dem fränkischen Mittelgebirge zwischen Main und Regnitz. So bekommt der im Fass gereifte Barrique-Wein seinen typischen Charakter. Das französische Wort „Barrique“ bedeutet soviel wie Fass. Der Wein ist von Liebhabern sehr begehrt, aber nicht billig.

Es war ein interessanter und aufschlussreicher Abend, bei dem die Mundart die Besucher zum Gespräch ermunterte. Die Anwesenden geizten nicht mit ihren Beiträgen und ihrem Erfahrungswissen. Manche Erinnerungen wurden wieder lebendig.

 

Liturgie, Brauchtum zur Fasten- und Osterzeit, früher und heute - Erinnerungen werden lebendig

(Organisation Ruth Laier, Willi Steger)

Im voll besetzten Nebenzimmer des Gasthauses zum Löwen in St. Leon weckte das Entzünden der Osterkerze am Osterfeuer vor der Osternachtliturgie am Karsamstag bei der älteren Generation Erinnerungen an die Fasten- und Osterzeit früherer Jahre. Damals hatte das Kirchenjahr und das damit verbundene Brauchtum noch prägenden Einfluss auf das dörfliche Leben.

Der Aschermittwoch, der die Fastenzeit einleitet, wurde als „Fast- und Abstinenztag“ streng eingehalten. Es gab kein Fleisch, nur eine Mahlzeit und über die Fastenzeit hinweg keinen Zucker in den Kaffee. Tanzveranstaltungen waren verboten und geheiratet wurde in dieser Zeit auch nicht.

Die Karwoche, die große Woche der Trauer.

Die Karwoche (althochdeutsch: Kara = Klage) war die große Woche der Trauer über das Leiden und Sterben Christi. Man besuchte am Karmittwoch, Gründonnerstag und am Karfreitag die abendlichen Trauermetten, die Dunkel- und Finstermetten in der spärlich erleuchteten Kirche. Es erklangen in jeweils drei Nokturnen (= nächtliche Trauerlieder) die Psalmen und Klagelieder des Propheten Jeremias.

Im Mittelpunkt der Karfreitagsliturgie standen - wie auch heute - die Leidensgeschichte und die großen Fürbitten der Kirche.

Das nachkonziliare Glaubensverständnis (Konzil 1959-65) sieht jedoch den Gründonnerstag, den Karfreitag und den Karsamstag als Einheit der drei österlichen Tage, in denen Kreuz und Leiden in die Osterfreuden der glorreichen Auferstehung einmünden.

Die Farbe „Rot“ anstelle von „Schwarz“ bei der Karfreitagsliturgie bringt diesen österlichen Charakter auch äußerlich zum Ausdruck.

Heute besuchen die Gläubigen die Buß- und Kreuzwegandachten, wobei in St. Leon-Rot der ökumenische Jugendkreuzweg besondere Beachtung findet.

Die Weihe der Palmen und die Palmprozession, an der auch heute wie früher die Kommunionkinder mit ihren selbst gefertigten Palmstecken teilnehmen, erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem. In jedem Haus schmückte früher ein geweihter Palmzweig das Kruzifix, um vor Brand und Blitzeinschlag zu schützen.

Zwei riesige Palmen ragten in der Amtszeit von Pfarrer Stephan Burger im Eingangsbereich des Pfarrhofes in Rot gen Himmel. Pfarrer Burger umwickelte zwei geschälte Fichtenstämme in mühsamer Arbeit eigenhändig mit zurechtgeschnittenen Tannenzweigen und versah die Spitzen mit geflochtenen Kronen. Am Palmsonntag fanden die Palmen mit an einer Schnur aufgereihten Äpfeln umgeben, Aufstellung im Altarraum der Kirche. Am Schluss des Gottesdienstes wurden die von Leo Back gestifteten Äpfel an die Kinder verteilt, bevor die Palmen im Pfarrhof aufgestellt wurden, um über das ganze Jahr hinweg an das österliche Geschehen zu erinnern.

Am Gründonnerstag erinnern sich die Christen an das „Letzte Abendmahl“. Gründonnerstag ist aus dem Wort „greinen oder grienen“ abgeleitet, bedeutet soviel wie weinen und gehört heute noch zum pfälzischen Wortschatz. Die Messe wurde damals am frühen Morgen zelebriert, Von da an gab es kein Fleisch bis zur Auferstehungsfeier am Samstagabend. Nach dem Gloria schwiegen - wie auch heute - Glocken und Orgel. „Die Glocken sind nach Rom geflogen“, hieß es im Volksmund. In St. Leon lautete die Version: „Die Glocken fliegen in die Mühlwiesen“.

Hölzerne Klappergeräte ersetzen im Gottesdienst die Klingeln und früher luden die Ministranten mit Knarren und Drehrätschen zum Gottesdienst ein.

Man aß Grünes, wie Spinat, Schnittlauch, Salat, Petersilien ohne Fleisch unter die Nudeln gerührt und glaubte mancherorts: „Wer am Gründonnerstag nur Grünes ist, bleibt gesund. Außerdem geht ihm das Geld nicht aus“.

Der Karfreitag ist der einzige Tag, an dem keine Messe zelebriert wird. Er war früher ein häuslicher Arbeitstag. Im Hause wurde geputzt und gebacken, das Radio blieb ausgeschaltet, Musikinstrumente wurden nicht gespielt. Es war ein Tag der Trauer. Im Garten und auf dem Acker durfte nicht gearbeitet werden, weil Jesus „in der Erde“, so die Meinung, begraben war. Eier spielten am Karfreitag eine besondere Rolle. Die an diesem Tag gelegten Eier wurden in einem Topf aufbewahrt und sogar als Heilmittel verwendet. Heute wird der Karfreitag wie bei den evangelischen Christen als Feiertag begangen.

Die Osterzeit

Das Osterfest ist das bedeutendste und höchste Fest der Christenheit. Es ist die jährliche Erinnerung an die Auferstehung und bezeugt die Gottessohnschaft Jesu.

Das Wort Ostern kommt in verschiedenen Schreibweisen wie Austern (Österreich), Oistern und Oustern vor. Es steht in Verbindung mit dem griechischen „Eostro“ und dem lateinischen „Aurora“, was soviel wie Morgenröte bedeutet. Im Althochdeutschen entwickelt sich „Eostra“ zu „Ostarium“. Hieraus entstanden die Begriffe Osten (Hinweis auf den Sonnenaufgang) und Ostern (Auferstehung).

Der Karsamstag wird zum Ostersamstag

Mit dem Karsamstag endet die Karwoche. Der stille Tag der Trauer - die Kirche verweilt am Grab - mündet in die Osternachtsfeier mit der feierlichen Messe.

Der Ostersamstag ist der Tag der Ministranten:

Früher entfachten die Ministranten in Rot um 6.00 Uhr zwischen Kirche und dem Pfarrgarten das „Judasfeuer“. Es sollte die Vernichtung des Verräters bildhaft symbolisieren. Hierfür sammelten die Buben mit Handwägelchen schon einige Tage vorher Holz im Wald. Selbstverständlich ließen sie mit Begeisterung das Feuer lodern, dass es sogar dem Pfarrer unheimlich wurde. Einmal, so erinnert sich Helmut Becker, schlugen die Flammen so hoch, dass ein junger Maulbeerbaum Feuer fing und sich davon nicht mehr erholte. Im Feuer wurden übrigens auch geweihte Gegenstände, alte Palmzweige und Würzbüschel verbrannt. Angekohltes Holz nahmen die Gottesdienstbesucher mit nach Hause und legten es in den Speicher. Es sollte, wie die Palmzweige, vor Blitzschlag und Brand schützen.

Mancherorts hielten die Buben ihre Judasstecken - an der Spitze aufgeschlitzte Stöcke - in das Feuer und schwangen sie hin -und her, um den Judas zu vertreiben.

Mit den am Aschermittwoch zu Beginn des Bußgottesdienstes verteilten kleinen Holzstücken, die am Ende der Andacht wieder eingesammelt wurden, um sie die am Karsamstag im Osterfeuer zu verbrennen, konnte sich jeder im Sinne der Umkehr symbolisch von seinem Ballast und seinen Sorgen befreien.

Heute entzündet der Priester wie früher, am geweihten Feuer die Osterkerze und trägt sie mit dem Ruf“ Lumen Christi“ (Licht Christe) in die dunkle Kirche. Beim feierlichen Gloria erklingt die Orgel, und die Kirche erstrahlt im hellen Glanz, eine Zeremonie, die dem Übergang vom Dunkel zum Licht entspricht.

Nach der Osternachtsfeier versammeln sich in Rot die Gottesdienstbesucher vor dem Pfarrheim zur Agape, zum Liebesmahl. Es wird Brot und Wein gereicht. Das Agapemahl hat seinen Vorläufer im gemeinsamen Mahl der jüdischen Gemeinde nach dem Kabbalath-Sabat aus Anlass des Fastenbrechens.

In ökumenischer Verbundenheit überbringt der kath. Priester das Osterlicht auch zur Ev. Christuskirche oder der ev. Geistliche holt sich das Licht für seine Kirchengemeinde.

In St. Leon, wo die Osternachtsfeier am frühen Morgen stattfindet, lädt die Pfarrgemeinde zum gemeinsamen Frühstück ein. Weil es keine Lämmer in unserer Region gab, wurden zum Osterfest junge Zicklein gebraten, die am Ostersamstag geschlachtet wurden.

Ostereier und Osterhase gehören wie die Osterkerze, als Symbol der Auferstehung, seit Menschengedenken zum Osterfest. Brauchtum und Umgang mit den Ostereiern haben ihren Ursprung in der Fastenzeit. Eier zählten im Mittelalter zu den flüssigen Fleischspeisen. Ihr Verzehr war in der Fastenzeit verboten, was zur Folge hatte, dass es in den Wochen vor Ostern, der guten Legezeit der Hühner ein Überangebot an Eiern gab. Eier dienten dazu, die zu Ostern fällige Pacht zu zahlen. Während die „Pacht-Zins-" oder „Hubeier“ als Soleier eingelegt wurden, kochte man die „Schenkeier“ ab, um sie für ein paar Tage haltbar zu machen. Um sie voneinander unterscheiden zu können wurden sie mit Zwiebelschalen im Kochwasser gefärbt.

Dass gerade der Osterhase den Kindern die Eier bringt, hat folgenden Grund: Der Osterhase ist das Symbol der Ostkirche. Weil er die Augen beim Schlafen nicht schließt, wird er zum Zeichen der Auferstehung und ist außerdem das Symbol der Fruchtbarkeit und Wachsamkeit.

Der Brauch des Ostereiersuchens hat sich bis heute erhalten und wird auch von Vereinen im Ort gepflegt. Früher waren auch Eier- und Osterspiele unzertrennbar mit den gefärbten und gekochten Eiern verbunden. Sehr beliebt war in Rot und in St. Leon das Hochwerfen der Eier. Buben und Mädchen warfen die Eier in die Höhe, um sie wieder aufzufangen. Fielen sie auf den Boden und trafen dort nicht auf die Grasnarbe, sondern auf einen Stein, hatte der Eierwerfer Pech.

Die frühere „Kisselgriewe“ (Kiesgrube beim heutigen Anwesen Omnibus-Merx) war zum Eierrollen sehr geeignet. Gewonnen hatte der, dessen Ei am weitesten den Damm hinunterrollte. Mancherorts nannte man dieses Spiel auch „Schurgeln“ oder „Schurgle“, abgeleitet von schürgen = rollen oder schieben. Härtetests standen auch aus dem Programm.. Zwei Spieler schlugen je ein Ei mit dem spitzen oder stumpfen Ende aufeinander. Derjenige dessen Ei zerbrach, musste es seinem Mitspieler abgeben, ein willkommener Zeitvertreib! Fernsehen gab es damals nicht.

 

Die Mundartabende mit Emil Klevenz

Die Mundartabende mit Emil Klevenz fanden zunächst im Nebenzimmer des Gasthauses zum Löwen in St.Leon statt, aufgrund des regen Zuspruches dann im großen Saal des Feuerwehrhauses. Aus den Gemeindenachrichten hier eine Auswahl der Berichte über die bisher fünf Abende:

Ein Mundartabend, der Heiterkeit auslöste

Globalisierung, Mobilität und die personelle Strukturveränderungen in den Gemeinden drängen die Mundart zunehmend zurück, nicht aber bei der „mittleren“ und der „älteren“ Generation, wie der Mundartabend, zu dem der “ Arbeitskreis Heimatgeschichte St. Leon-Rot“ eingeladen hatte, bestätigte.

Das Nebenzimmer des Gasthauses zum Löwen in St. Leon war wiederum bis auf den letzten Platz besetzt. Emil Klevenz vom Arbeitskreis Heimatgeschichte moderierte den Abend, der die Mundart-Wortsammlungen von Hermann Tropf und Heinrich Bechberger (†) zur Grundlage hatte, in originärer Weise und bereicherte ihn mit vielen persönlichen Erfahrungen.

Dabei zeigte sich, dass sowohl die kreativen Wortschöpfungen und Redewendungen vergangener Zeiten noch quicklebendig sind. Ein Stichwort aus dem inzwischen über 2000 Wörter umfassenden Wortkatalog von Hermann Tropf genügte, um eine Kettenreaktion „mundartlichen Gebabbles“ auszulösen. Bildhafte und treffende Wortarten wie „droodle“= mit Draht arbeiten und „droddle“ = trotteln oder „dummle“ (sich beeilen): „Dummel di mol“= „Mach, dass ferdich wersch!“ wie auch Redewendungen wie „Hodd Ebber Ebbes zu Ebbern gsad?“ (Hat jemand etwas zu jemanden gesagt?) wurden ebenso aus der Schublade geholt wie das Wortspiel mit dem „Hemd“: „Hemmer Hemmer?“= Haben wir Hemde? Antwort: „Ja, Hemmer hemmer!“ = Ja, Hemden haben wir.

Im Grunde kam man im Alphabet nur bis zum Buchstaben G, wobei z. B. die Redewendungen „Unter der Fuchtel - der bösen Frau-  stehen“, der Fegwisch (Handfeger) oder der „Gscherrhoge“ = Geschirrhaken) genannt wurden.

Dann kamen die Zuhörer zu Wort. „Was bedeutet „Spauzisch“? Rosa Schötterl erklärte den Begriff in Versen:

Eines schönen Tags, wie war das schön,
der Schulrat kam nach Sande Leen.
Ein Schüler kam die Treppe rauf
und sagt: „Da liegt ja Spauzisch“ drauf.
„Spauzisch“ aus Sand Leener Mund,
da schaute selbst der Schulrat dumm.
Doch Melanie, die wusste Rat:
„Spucke ist´s Herr Kreisschulrat.“

Auch das St. Leoner Original „Der Linus vunn Sand Lee“ mit seinen „Esseln, seinem Hund, seiner Katz und seinem Giggel, musste herhalten. Das Unikum narrte sogar den Gerichtsvollzieher, wie Marlene Imhof zu erzählen wusste. Der Pfiffikus war das Ziel zahlreicher pointierter Beiträge.

Es war ein gelungener Abend, der nicht nur zum Schmunzeln beitrug, sondern auch die Wortsammlungen durch weitere Begriffe ergänzte und dem Auftrag des Arbeitskreises Heimatgeschichte gerecht wurde, die Mundart zu pflegen und sie der Nachwelt als „nostalgische Kulturgut“ zu erhalten. 

 

Wenn die Anwesenden zu Akteuren werden

Die von Emil Klevenz initiierten Mundartabende haben den Charakter von „Arbeitssitzungen mit humorvollem Kolorit“. Darsteller sind nicht eingeladene Mundartpoeten, sondern die Anwesenden selbst. Und Viele, insbesondere Vertreter der älteren Generation, waren auf Einladung des „Arbeitskreises Heimatgeschichte“ ins Feuerwehrhaus St. Leon gekommen. Sie trugen mit ihren Beiträgen und ihrem Wissen dazu bei, die sich im rasanten Verdrängungsprozess befindliche Mundart weiter zu pflegen. 

Aus der Mundartsammlung von Hermann Tropf „Wie d´ St. Leener unn d´ Roder schwetze unn g´ schwetzt hewwe“, die nun auch die Sammlung von Heinrich Bechberger (†) enthält, wurden dem Publikum in der Reihenfolge des ABC Begriffe vorgegeben. Die mundartlichen Wortschöpfungen erwiesen sich hierbei bisher immer als hervorragende „Zungenlöser“. Sie motivierten zu lebhaften Gesprächsrunden, bei denen längst vergessene Begriffe und Redewendungen in Verbindung mit nostalgischen Erinnerungen aktiviert und in die Sammlung aufgenommen wurden. Diese ist inzwischen auf ca. 1400 Wörter angewachsen, die ortspezifische Redewendungen, Bedeutungsverschiebungen, Skurriles, Anreden, Kommandos für Zugtiere und typischen Wortendungen nicht mitgerechnet..

Hierbei ist festzustellen, dass sich die Mundart im ehemaligen Territorium des Hochstifts Speyer, wozu auch St. Leon-Rot und die „Orte am Bruhrain“ gehörten, von dem kurpfälzischen Dialekt in Nuancen unterscheidet. In St. Leon-Rot sagt man: `s dudd mer weeh, in Sandhausen (ehemalige Kurpfalz): `s dud mer wäih.

Die Zunahme sprachlicher Eigentümlichkeiten im Herrschaftsgebiet des Hochstifts Speyer erklärt sich mit dem strengen Reglement, das im Speyerer Bistumsgebiet praktiziert wurde. Einwanderer mussten ihr Niederlassungsrecht teuer bezahlen und Auswanderungswillige sich von der Leibeigenschaft loskaufen. Dadurch entstand eine von Außeneinflüssen abgeschirmte Enklave, ein Zustand, der sich besonders auf dem Sprachsektor auswirkte.

Auch zwischen den Ortsteilen Rot und St. Leon sind Unterschiede wahrnehmbar:

In der Wortsammlung von Hermann Tropf, von Roter Urgesteinen überprüft, findet der Leser mundartliche Begriffe, die sowohl in Rot als auch in St. Leon gleich sind wie „anneweg“ (trotzdem), „Grummbiere“ (Kartoffel), „Gruscht“ (Kram), aber ebenso Wörter, die sich in beiden Ortsteilen unterscheiden: Eine Griffelbix (Holzkästchen für Schreibzeug) ist in St. Leon ein Fedderrehrle. In Rot sagt man Danzknöpfel, in St. Leon Danzknopf. In St. Leon ist ein Schinnohs ein dauernd bittendes Mädchen, in Rot meint man damit ein gewitztes Kind, das mit allen Wassern gewaschen ist. Geringfügige Unterschiede zeigen sich vor allem in den Vokalfärbungen: Wand/Wänd, bei Umlauten un bei Wortenden:: Flasch/Floisch, Ecksto/Eckstoi; Häffele/Häffeli.

Die typischen Merkmale der Mundart sind in der Sammlung ebenfalls deutlich erkennbar:

Zu den öriginären Wortschöpfungen zählen z. B „Tranfunzel“ für einen antriebslosen Menschen, verglichen mit einem spärlich flackernden Öllämpchen (Tran = Öl) oder „Ripp“ für eine streitsüchtige Frau, ein Begriff, bei dem man unwillkürlich eine hagere, knöcherige und bös drein schauende Frauengestalt vor Augen hat.

Für Beispiele treffsicherer und lautmalerischer Beschreibung stehen Wörter wie „plotzen“ für fallen oder rauchen, bei dem man den Aufschlag förmlich hört oder die Rauchwolke, die der Raucher aus seinem Munde pafft, plastisch sieht.

Auch bildhafte Redewendungen wie „rühren“ für Rüben hacken, das Hacken rund um die Pflanze oder „en Bock schieße“ für einen Fehler machen sind typische Merkmale der Muttersprache, ebenso wie die eigenwillige Grammatik, die bei Redewendungen wie „Wu seid ihr g´ wohnt für „Wo habt ihr gewohnt? zum Ausdruck kommen.

Der Einfluss der französischen Sprache hat sich im regionalen Dialekt ebenfalls niedergeschlagen: „Mach kee Fissimadende!“ stammt aus der Besatzungszeit während der Napoleonischen Kriege, als die Soldaten die Mädchen ansprachen: Visitez ma tente! (Besucht mein Zelt!)

Inzwischen ist man bei den St. Leoner Mundartabenden beim Buchstaben „G“ angelangt: Aktiviert wurden Begriffe wie „Gärrät“ für Gänserich, „Gaschoo“ für Bett, „Gaschtroll“ für Stielpfanne, „Gaulsbiss“ für eine Schmerzstelle und „Gaulsknoddel“ für Pferdeäpfel. „Gärtle“ steht für das leichte Hacken auf lockerem Boden und ist ein Beispiel für die oft feinsinnige Beschreibung der Dialektsprache.

Typisch für die Mundart sind auch die bildhaften Steigerungsformen wie groo (für grau)-katzegroo und kritzegroo. „Grood“ ist der Ausdruck für die Bügelfalte an der Hose im Gegensatz zur „Hutt“, der ungewollten Falte.  

Bei den Gliedmaßen des menschlichen Körpers stehen der „Deetz“ oder „Krussel“ für den Kopf, „Zinke oder Kumpf“ für die Nase, wobei für naseweis auch „schnufflich“ verwendet wird. Für den Mund gibt es nur das Wort „Maul“ oder die „Lapp“ für freches Mundwerk.

„Speizich“ ist die Spucke und für sprechen unterscheidet die Muddersproch zwischen redde, babble, gaggle (etwas ausplaudern), plappern (dahinreden) reddsprächlich (gesprächig) und schwetze. Die „Anggel“ ist das Genick, die „Montur“ der Körperbau und die „gut Kuttel“ bezeichnet in Anlehnung an den Kuhmagen die starke Belastbarkeit eines Menschen. Der „Ranze“ oder „Wampes“ steht symbolisch für gute Ernährung, die „Griffel“ (von greifen) für die Finger und „rumdewle“ für das Herumfingern mit dem Daumen.

Historische Erinnerungen löste der Begriff „Grichtstuhl“ aus. Gemeint ist die ehemalige letzte Bank in der St. Leoner Kirche, reserviert für die Mitglieder des Ortsgerichts, dem drei Gemeinderäte und drei ehrenwerte Bürger mit Bürgerrecht angehörten. Auch die Kröte ist bei der Mundart mit im Spiel: „ die hockt widder groddebrod“ (breit wie eine Kröte), groddefalsch (falsch beim Singen), ä goldichi Grodd (ein hübsches Mädchen) und schließlich gab es auch eine häufig gebrauchte Redewendung bei der Ermahnung der Kinder: „Du kummsch ens Grottehäffele“.

Emil Klevenz verstand es immer wieder, mit seinen eigenen Erinnerungen auch die der Anwesenden zu wecken und einige Anekdoten zum Besten zu geben. Die Beiträge in Gedichtform von Clarissa Götz und E .Klevenz (Eigenbeitrag) dargeboten, trugen zur Abrundung des Abends bei, an dem Hermann Tropf eifrig notieren konnte.

Die Mundartabende werden vom Arbeitskreis Heimatgeschichte fortgesetzt.

Mit dem verstorbenen Mitglied des Arbeitskreises, Ruth Laier, war schon vereinbart, einen weiteren Mundartabend auch in Rot mit der Thematik „Mit den „Klumpen (Holzschuhe) zur Schule - Schulbänke erzählen-“ zu organisieren. Der Arbeitskreis wird einen Weg finden, um auch dieses geplante Vorhaben umzusetzen.

 

Deutscher Dialekt in der englischen Sprache

Der Mundartabend „Wie d´ Sand Leener unn d` Roder schwetze unn g `schwetzt hewwe“, von Emil Klevenz mit dem Gedicht „ Ein Hoch auf die Mundart“ von Gustav Knauber eingeleitet, wurde im Haus der Feuerwehr St. Leon ein voller Erfolg. Im großen Saal waren alle Plätze besetzt. Der Abend gestaltete sich außerdem zu einem eindrucksvollen Pladoyer für die sich im Siechtum befindliche "Muddersprooch".

Eckpunkte des Abends waren die von Hermann Tropf aus seiner umfangreichen Wortsammlung vorgegebenen Mundartbegriffe, die sich wiederum als wirkungsvolle Gesprächsankurbler erwiesen. Die Sammlung umfasst nunmehr auch die Beiträge des verstorbenen Heinrich Bechberger und der Karlsruherin Mathilde Heizmann, deren Mutter aus St. Leon stammte. Inzwischen ist man beim Buchstaben „k“ angelangt. Wörter wie „kurgeln“ machten die Runde, was soviel bedeutet wie hinunterrollen im Gegensatz zu „schurgeln“, das aktives Rollen zum Ausdruck bringt. Wieder einmal kamen dabei Wesensmerkmale der Mundart wie Treffsicherheit in der Beschreibung und Originalität in der Wortfindung innerhalb der angeregten und heiteren Gesprächsrunden zum Tragen.

Während beim letzten Mundartabend die Beschreibung der Charaktere örtlicher Zeitgenossen wie der Broddler (Nörgler), der Knodderer (Meckerer) oder der Lappeduddl (antriebsarmer Mensch) im Focus der Gesprächsrunde stand, waren dieses Mal die Bedeutungsverschiebungen in der Mundart an der Reihe: So kann mit „Muster“ eine Vorlage oder der Körperbau eines Menschen gemeint sein. „Markieren“ kann kennzeichnen oder auch schauspielern bedeuten. Mit „Schmacken“ meint man nicht nur schmecken, sondern auch riechen: „Der schmackt!“

Auch die Feindifferenzierung und die Bildhaftigkeit in der Muddersproch wurden thematisiert. So ist ein „Hubbel“ im Dialekt eine Bodenerhebung, während ein „Bobbel“ eine Schwellung am Körper bedeutet.

Hermann Tropf konnte auch nachweisen, dass zahlreiche urdeutsche Wörter aus dem Dialekt in der Hochsprache fehlen, aber in der englischen Sprache integriert sind. Beispiele: "anneweg" (trotzdem): englisch: anyway; "datsche/detsche" (antippen): englisch: to touch; "bumbe" (schubsen): englisch: to bump; „Suggel“ (Schnuller): englisch: to suck, to suckle.

Kurze Mundartwörter können aussagekräftig sein und ganze Sätze ersetzen: „Unn?“ bedeutet je nach Situation z. B. nach einem Theaterbesuch: Wie war es gestern Abend? Nach einem Fußballspiel: Wie ist das Spiel ausgegangen? etc.; „wu noo?“ Wohin des Weges?

„Joh“, lang gezogen, in der Tonhöhe fallend, bedeutet: na gut, einverstanden.

„Joh“, sehr lang gezogen, in der Tonhöhe steigend, bedeutet: Was du nicht sagst, ich nehme dir das nicht ab.

„ a wuher dann!“: nie und nimmer, das stimmt nicht!

Die Phasen der Wortvorgaben wurden durch Einblicke in das frühere Alltagsleben unterbrochen, wobei Willi Steger jeweils verbindende Worte fand und Emil Klevenz aus seiner reichhaltigen Erfahrung, mit Anekdoten und dem Gedicht "S'Bauerelebe" garniert, berichtete. Hierbei durfte das im Heimatbuch veröffentliche Gedicht "Der Spargelbauer un der Neider" von Artur Vogel nicht fehlen, eine Hinleitung zum Spargelanbau, der seit 1887 in St. Leon und in Rot Anfang des 20. Jahrhunderts praktiziert wird. Hierbei erfuhren die Anwesenden auch, dass der weibliche Spargel Kerne und rote Beeren treibt, aus denen der Samen gewonnen wird. Gepflanzt werden jedoch die Setzlinge, die in den Spargelzucht-Stationen Hollands herangezogen werden.

Aus dem Reich der Sagen hörten die Anwesenden von dem Unwesen des Schwarzen Mannes, der in der Nähe der Kirche Vorübergehenden Angst einjagte, vom Räuber Dattelkern, der den Marktfrauen auf ihrem Weg nach Speyer die Waren abnahm und vom Königsgrab mit dem silbernen Sarg, in früheren Zeiten Gesprächsstoff beim Tabakeinfädeln und Hopfenzopfen.

Rosa Schötterl, Clarissa Götz und Josef Wittmann strapazierten mit ihren pointenreichen Mundartbeiträgen die Lachmuskeln der Besucher und sorgten für einen humorvollen und beschwingten Abschluss eines interessanten und aufschlussreichen Abends. Emil Klevenz verblieb der Dank an die Feuerwehr, die den Raum zur Verfügung stellte und für das leibliche Wohl sorgte.